Willkommen

Herzlich willkommen auf der Seite unseres Wörterbuchs DGS – Deutsch! Das Wörterbuch ist das erste Wörterbuch für DGS auf der Grundlage eines Korpus mit gebärdeten Unterhaltungen. Das Wörterbuch wird vom DGS-Korpus-Projekt erstellt. Es ist natürlich kein Buch, sondern wird online veröffentlicht und ist frei zugänglich.

Vorneweg haben wir einige wichtige Anmerkungen. Wir zeigen die ersten Einträge im Wörterbuch, aber es ist noch nicht das fertige Wörterbuch. Nach und nach kommen mehr Einträge dazu, bis das gesamte Wörterbuch 2023 veröffentlicht wird. Die Gestaltung des Wörterbuchs ist noch vorläufig und wird Schritt für Schritt überarbeitet. Auch die Suchmöglichkeiten sind noch nicht vollständig und werden im Laufe der Zeit ergänzt. Wir freuen uns, wenn Sie vorbeischauen und im entstehenden Wörterbuch stöbern.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Zum Vorgehen

Was ist das Besondere an diesem DGS-Wörterbuch?

Benutzungshinweise

Aufbau der Einträge im Wörterbuch

Kopf und Fuß

Mittelteil

Abkürzungen

Layout und Navigation

Möglichkeiten der Suche

Graph

DGS

Deutsch

Sachgruppen

Anhänge

Karten

Karte zur regionalen Verbreitung

Übersichtskarte zur regionalen Verbreitung bedeutungsgleicher Gebärden

Informationen zur Wörterbucherstellung und den Inhalten

Datengrundlage

DGS-Korpus

DGS-Feedback

SignHunter

Anhänge

Anhänge Gebärden für Monate und Wochentage

Anhang Geographisches

Geschlechtergerechte Sprache im DW-DGS

Lizenzen: Zitieren, Verlinken oder Herunterladen?

Literatur

Einführung

Zum Vorgehen

Das Wörterbuch ist das erste DGS-Wörterbuch, das auf der Grundlage eines Korpus erarbeitet wird. Das DGS-Korpus besteht aus Filmaufnahmen von gebärdeten Unterhaltungen, die systematisch erfasst und analysiert wurden. Um eine Gebärde im Wörterbuch zu beschreiben, betrachten wir viele einzelne Belege von dieser Gebärde, die wir im Korpus finden. Wir untersuchen, wie die Gebärde im Zusammenhang mit anderen Gebärden benutzt wird, und welche verschiedenen Bedeutungen sie haben kann. Die Ergebnisse werden in einem Wörterbucheintrag zusammengefasst. Im Eintrag kann man dann nachsehen, wie die Gebärde typischerweise verwendet wird.

Was ist das Besondere an diesem DGS-Wörterbuch?

Das Wörterbuch ist korpusbasiert. Das bedeutet, dass wir die DGS-Gebärden so beschreiben, wie sie in den Aufnahmen tatsächlich benutzt werden.

Ein Korpus als Grundlage zu nehmen hat viele Vorteile:

  • Unsere Angaben basieren auf Belegen, d.h. wir beobachten und analysieren den wirklichen Gebrauch. Dadurch kann man Gebärden und ihre Verwendung genau beschreiben. Die Angaben sind durch Belege abgesichert und nicht abhängig von dem Sprachgefühl oder der Meinung einzelner oder weniger Personen, wie DGS ist oder sein sollte.
  • Wir beschreiben die DGS in ihrer Vielfalt. Zum Beispiel erfassen wir auch verschiedene regionale Varianten. Da die Filme im Korpus von Gehörlosen aus ganz Deutschland stammen, können wir oft auch Angaben machen, in welchen Regionen eine Gebärde benutzt wird.
  • Die Belege im Korpus zeigen die Gebärden im Kontext. Dadurch können wir z.B. sehen, welche grammatischen Formen sie haben können oder mit welchen anderen Gebärden sie oft zusammen auftreten. Ausgewählte Belege werden als Beispielsätze gezeigt und illustrieren die verschiedenen Bedeutungen einer Gebärde.

Benutzungshinweise

Aufbau der Einträge im Wörterbuch

Kopf und Fuß

Im Wesentlichen besteht das Wörterbuch aus den einzelnen Wörterbucheinträgen. In den Wörterbucheinträgen findet man viele verschiedene Informationen zu einer Gebärde.

Jeder Wörterbucheintrag hat denselben Aufbau. Es gibt drei Bereiche: Kopf, Mittelteil und Fuß. Der Kopfbereich umfasst allgemeine Angaben zur Gebärde: Varianten der Form, manchmal regionale Verbreitung, Hinweise zur Grammatik und weitere Anmerkungen.

Im Mittelteil werden die verschiedenen Bedeutungen, die wir im Korpus für diese Gebärde gefunden haben, aufgelistet und beschrieben. Zu jeder Bedeutung gibt es eine ganze Reihe von Angaben (siehe unten).

Im Fuß des Eintrags gibt es wieder einen allgemeinen Teil. Dort findet man häufige Zusammensetzungen und Hinweise auf Gebärden, die verwandt sind. Es gibt auch Hinweise auf Gebärden, die die gleiche Form haben, aber in einem anderen Eintrag beschrieben werden, weil sie andere Eigenschaften und Bedeutungen haben. Außerdem gibt es Verweise auf Gebärden, die eine ähnliche Form haben, aber ganz andere Bedeutungen.

Mittelteil

Im Mittelteil werden die verschiedenen Bedeutungen oder Verwendungen aufgelistet und beschrieben. Zuerst sieht man eine Liste, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Bedeutungen gibt. Beim Anklicken einer Bedeutung öffnet sich dann der Bereich mit verschiedenen Angaben zu dieser Bedeutung.

Die wichtigsten Angaben sind:

  • typische Mundbilder
  • eine kurze Bedeutungserklärung
  • deutsche Übersetzungen der Gebärde
  • Verwendungsbeispiele in DGS direkt aus dem Korpus und mit deutscher Übersetzung
  • andere Gebärden mit derselben oder einer sehr ähnlichen Bedeutung
  • andere Gebärden mit einer entgegensetzten Bedeutung
  • Kombinationen mit anderen Gebärden, mit denen diese Gebärde häufig zusammen auftritt
  • eine oder mehrere Sachgruppen, die einen größeren Bedeutungszusammenhang nennen

Abkürzungen

Zu einigen in den Einträgen aufgeführten Übersetzungsäquivalenten wird eine zusätzliche Angabe zum deutschen Wort in Form einer Markierung gegeben, z.B. die Angabe der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Register des Deutschen oder dass es sich in dieser Bedeutung um einen metaphorischen Gebrauch des Worts oder eine idiomatische Wendung des deutschen Ausdrucks handelt. Diese Angaben werden in Form von Abkürzungen gemacht, die dem Wort oder der Wendung nachgestellt sind. Die dabei verwendeten Abkürzungen zur Markierung des deutschen Wortes (Übersetzungsäquivalents) finden sich mit einer kurzen Erklärung hier im Glossar.

Wenn ein Eintrag geöffnet ist, sieht man dort einen Filmabspielbereich und eine Tabelle mit allen Informationen und Angaben. Die Liste der Bedeutungen wird in einer Übersicht gezeigt. Durch Klicken auf die gesuchte Bedeutung (z.B. BEDEUTUNG #2) lassen sich die ausführlichen Informationen zu dieser Bedeutung anzeigen oder wieder ausblenden.

Wenn man einen Eintrag neu öffnet, ist der Film der ersten Form-Variante geladen. Durch Klicken in den Film kann der Film wiederholt werden. Es gibt weitere Filme im Eintrag, die alle im Filmbereich abgespielt werden können. Das kleine Abspielsymbol (▶️) im Bereich der Formen und bei den Beispielen spielt den dazugehörigen Film einmal ab. Auch bei den Verweisen auf andere Gebärden, die mit einer kleinen Gebärdenabbildung (Micon) dargestellt sind, lassen sich Filme im Filmbereich abspielen, wenn man auf die Figur klickt.

Folgende Navigationsmöglichkeiten gibt es im Filmbereich:

Zeitlupe (erster Knopf ganz links)

frontal
schräg von vorne
seitlich
von oben

Änderung der Perspektive: Bei den Studioaufnahmen kann man wählen, ob die Gebärde von vorne, schräg von vorne, von der Seite oder von oben zu sehen sein soll.

Kontextmenü mit der rechten Maustaste: Vollbild und Steuerung einblenden

Alle Informationen, die selbst Gebärden sind und auf andere Einträge verweisen, werden durch ein Micon dargestellt. Ein Micon besteht aus zwei Teilen: Oben sieht man das Standbild einer gebärdenden Person und darunter die Nummer des Eintrags, der zu dieser Gebärde gehört. Führt der Verweis direkt zu einer bestimmten Bedeutung, dann befindet sich hinter der Eintragsnummer nach dem Doppelkreuz (#) auch noch die Bedeutungsnummer. Geht man mit dem Mauszeiger über ein Micon, bewegt es sich und deutet die Gebärde an. Klickt man auf die Person, wird der dazugehörige Film im Filmbereich abgespielt. Klickt man auf die Nummer, wechselt man zum anderen Eintrag.


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Möglichkeiten der Suche

Es gibt verschiedene Wege, um zu den einzelnen Einträgen zu gelangen, die bereits bearbeitet wurden und am roten Nummernschild zu erkennen sind. Auf der Menüleiste oben auf jeder Seite gibt es jederzeit die Möglichkeit, einen Suchweg zu wählen: Graph, DGS, Deutsch und Sachgruppen.

Graph

Der Graph bietet einen grafischen Überblick über alle Einträge und wie sie miteinander zusammenhängen. Jeder Punkt steht für einen Eintrag und die Verbindungen stehen für Verweise zwischen den Einträgen. Für die blauen Punkte gibt es schon Beschreibungen (Einträge mit rotem Nummernschild), für die Punkte in Orange gibt es noch keine Beschreibungen („automatisch generierter Vorabeintrag“ mit weißem Nummernschild). Wenn der Mauszeiger auf einen Punkt gerichtet wird, erscheint ein Micon, welches die Gebärdenform andeutet. Mit einem Klick auf den Punkt gelangt man zum Eintrag.

Der Graph bietet die Möglichkeit, das Wörterbuch neugierig zu erforschen und spielerisch zu erkunden. Vielleicht lassen sich so zufällig interessante Einträge entdecken.

DGS

Der Suchweg DGS ist geeignet, wenn man die Nummer des Eintrags kennt, den man öffnen möchte. Auf dieser Seite sind alle Gebärden versammelt. Mit dem Abspielknopf links oben lassen sich alle Gebärdenstandbilder (Micons) auf einmal in Bewegung versetzen. Oder man fährt mit dem Mauszeiger über einzelne Standbilder, die sich dann bewegen und die Gebärde zeigen. Die Micons sind nach aufsteigender Nummer angeordnet. Ein Klick auf ein Micon oder die Eintragsnummer führt zum gewünschten Eintrag.

Deutsch

Der Suchweg Deutsch ist geeignet, über ein deutsches Wort eine bestimmte Gebärde zu finden. Die Seite zeigt eine alphabetische Liste der deutschen Übersetzungen aus den Einträgen. Für viele deutsche Wörter gibt es mehrere Einträge, da es sich dann um bedeutungsgleiche oder in der Bedeutung sehr ähnliche Gebärden handelt. Von der Deutsch-Liste aus gelangt man direkt zur passenden Bedeutung innerhalb eines Eintrags.

Sachgruppen

Der Suchweg Sachgruppen ist geeignet, Gebärden zu einem bestimmten Thema oder Bereich zu suchen. Die alphabetisch angeordnete Liste nennt die verschiedenen verwendeten Sachgruppen und jeweils die Gebärden (mit Bedeutungsnummer), die dieser Sachgruppe zugeordnet wurden. Durch Klicken auf die Eintragsnummer springt man zum entsprechenden Eintrag.

Anhänge

Auf der Menüleiste oben auf jeder Seite gibt es auch die Möglichkeit, Seiten im Anhang zu öffnen. Im Anhang stellen wir nach und nach verschiedene Informationen im Überblick zusammen, die für Gruppen von Gebärden interessant sind und deshalb mehrere Einträge betreffen.

Für bestimmte Sachbereiche gibt es in der DGS eine große regionale Variation, z.B. bei Gebärden für die Monatsnamen oder für die Namen von Wochentagen. Diese und weitere Gebärden wurden bei der Erstellung des Korpus gezielt gesammelt und im DGS-Feedback erfragt. Die Zusammenstellungen zur regionalen Verbreitung sind geeignet, um regionale Varianten zu vergleichen und herauszufinden, welche Gebärde z.B. für Januar man z.B. in Sachsen benutzt.

Karten

Aus den Belegen des DGS-Korpus und den Antworten des DGS-Feedbacks können wir Verbreitungskarten regionaler Gebärden erstellen. Korpusbelege oder benutzt-Antworten sind Hinweise darauf, dass die Teilnehmerin oder der Teilnehmer an der Erhebung oder dem DGS-Feedback eine bestimmte Gebärde benutzt. Da wir wissen, aus welcher Region die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen, können wir so zeigen, wo die Gebärde benutzt wird. Die Verbreitungskarten werden direkt aus den uns vorliegenden Daten automatisch erstellt. Im Wörterbuch werden zwei verschiedene Arten von Karten gezeigt: einfache Verbreitungskarten und Übersichtskarten zur regionalen Verbreitung bedeutungsgleicher Gebärden.

Karte zur regionalen Verbreitung

Bei einigen Gebärden und manchmal auch bei einer einzelnen Bedeutung oder einer Gruppe eng zusammenhängender Bedeutungen einer Gebärde fällt bei der Bearbeitung auf, dass sie nicht in ganz Deutschland, sondern nur in bestimmten Regionen verwendet werden. In solchen Fällen bieten wir im Wörterbucheintrag eine Deutschlandkarte an, die die Verbreitung der Belege zu dieser Gebärde bzw. Bedeutung der Gebärde zeigt.

Je besser eine Gebärde belegt ist, desto klarer und zuverlässiger ist Angabe der Verbreitung, die in der Karte dargestellt wird. Sind nur wenig Daten vorhanden, kann es sein, dass es so aussieht, als sei eine Gebärde nur regional verbreitet, obwohl dies nicht der Fall ist.

Die verwendete Kartendarstellung bezieht Daten aus dem DGS-Korpus und – falls vorhanden – Daten aus dem DGS-Feedback mit ein. Pro Region wird aus den Daten ermittelt, wie viele verschiedene Personen diese Gebärde gegebenenfalls in der spezifischen Bedeutung verwenden. Als Beleg zählt, wenn eine Person diese Gebärde im Korpus verwendet oder im DGS-Feedback angegeben hat, diese Gebärde zu verwenden. Je mehr Personen eine Gebärde in einem Gebiet verwenden, desto dunkler (von gelb über orange und rot bis hin zu schwarz) ist das jeweilige Gebiet eingefärbt. Auf einigen Karten gibt es zwei verschiedene Graufärbungen. Hellgrau sind alle Gebiete, für die es keine Belege gibt, aber aus denen auch keine Personen am DGS-Feedback teilgenommen haben. Mit einem etwas dunkleren Grau sind alle Gebiete ohne Belege eingefärbt, aus denen zwar mindestens eine Person im DGS-Feedback teilgenommen, aber trotzdem keine Person den Gebrauch der jeweiligen Gebärde/Bedeutung bestätigt hat.

Daten aus dem DGS-Feedback liegen nur für einen kleinen Teil der Gebärden vor. Bei allen anderen Gebärden stammen alle Belege ausschließlich aus dem Korpus. Fährt man mit dem Mauszeiger über die jeweilige Region, so erhält man einen Tooltip eingeblendet, der die Zahlen für diese Region für das DGS-Korpus und, wenn vorhanden, für das DGS-Feedback nochmal explizit nennt. Dieser Kartentyp wird bei bei ausgesuchten Gebärden unter der Rubrik REGIONAL und bei ausgesuchten Bedeutungen unter der Rubrik REGIONAL als zusätzliche Information angeboten und per Link Karte zugänglich gemacht.

  • Beispiel für eine Karte zur regionalen Verteilung mit Daten aus dem DGS-Feedback
  • Beispiel für eine Karte zur regionalen Verteilung ohne Daten aus dem DGS-Feedback

Übersichtskarte zur regionalen Verbreitung bedeutungsgleicher Gebärden

Für manche Bedeutungen gibt es mehrere Gebärden, die sich hinsichtlich ihres regionalen Gebrauchs deutlich voneinander unterscheiden. Für Gruppen solcher Gebärden bieten wir in den Wörterbucheinträgen eine Übersichtskarte an, die die regionale Verteilung einer Gruppe gleichbedeutender Gebärden zeigt.

Die Übersichtskarte zur Verbreitung zeigt die regionale Verteilung auf der Grundlage aller Belege einer Gruppe bedeutungsgleicher Gebärden. Jeder Gebärde ist eine Farbe zugeordnet. Berücksichtigt werden alle Personen, die die Gebärde im DGS-Korpus verwendet oder die eine positive Rückmeldung im DGS-Feedback gegeben haben. Belege aus dem DGS-Feedback entsprechen der Antwort ich benutze diese Gebärde (in dieser Bedeutung). Jede Person zählt bei der Auswertung pro belegter Gebärde nur einmal, unabhängig davon, wie häufig sie die Gebärde im Korpus benutzt. Jedes Gebiet ist mit der Farbe eingefärbt, die der Gebärde entspricht, die in einem Gebiet am häufigsten belegt ist. Sind mehrere Gebärden gleich häufig belegt, wird das Gebiet mit der Farbe der Gebärde einfärbt, die von den konkurrierenden Gebärden insgesamt am häufigsten belegt ist. Für Gebiete, die im hellen Beige eingefärbt sind, liegen keine Belege vor, weder aus dem Korpus noch aus dem DGS-Feedback.

In einigen Fällen werden leichte Ausführungsvarianten zu einer Form zusammengefasst. Jede Person wurde für ihr Gebiet nur einmal pro Gebärde berücksichtigt, selbst wenn für sie verschiedene Ausführungsvarianten derselben Gebärde im Korpus belegt oder im DGS-Feedback bestätigt worden sind. Personen, die sowohl im Korpus als auch im DGS-Feedback mitgemacht haben, wurden ebenfalls nur einmal pro Gebärde gewertet.

Für jedes Gebiet wird eine Tortengraphik eingeblendet, die zeigt, wie viele Personen in dieser Gegend welche Gebärden benutzen. Jedes Tortenteilstück ist mit der Farbe der jeweiligen Gebärden kodiert. Benutzt eine Person zwei verschiedene Gebärden, dann trägt sie auch zu zwei Tortenteilstücken verschiedener Farbe in derselben Gegend bei.

Fährt man mit dem Mauszeiger über eine Tortengraphik, so leuchtet sie auf. Fährt man über ein Micon, das eine Gebärde repräsentiert, so leuchten alle Tortengraphiken in den Gebieten auf, in denen diese Gebärde belegt ist.

Diese Kartendarstellung wird bei den Bedeutungen unter der Rubrik BEDEUTUNGSGLEICH und auch in den Anhängen Monate und Wochentage verwendet.

  • Beispiel für eine Übersichtskarte bedeutungsgleicher Gebärden

Informationen zur Wörterbucherstellung und den Inhalten

Datengrundlage

Die wichtigste Datengrundlage für die Erstellung des DW-DGS ist das DGS-Korpus. In einigen Fällen werden bei der Erstellung zusätzlich zu den Korpusdaten auch noch andere Daten, die wir erhoben haben, berücksichtigt: Daten aus dem DGS-Feedback und Daten, die wir mit dem SignHunter-Programm erhoben haben.

DGS-Korpus

Zwischen 2010 und 2012 wurden rund 560 Stunden Unterhaltungen, Erzählungen und andere Sprachdaten von 330 Gebärdensprachnutzerinnen und -nutzern aus ganz Deutschland erhoben. Bei der Erhebung saßen sich jeweils zwei Personen gegenüber und wurden durch eine dritte Person (Moderator) durch die Gespräche und Themen geführt. Beide Personen wurden von vorne und aus weiteren Perspektiven gefilmt.

Das gefilmte Sprachmaterial wird vom Team des DGS-Korpus-Projekts erschlossen, indem die einzelnen Belege in den Filmen zeitlich erfasst und zu den passenden Gebärden zugeordnet werden (Lemmatisierung). Zusätzlich werden die Inhalte der Gespräche und Erzählungen durch Übersetzungen, die dem Film ebenfalls zeitlich zugeordnet werden, erschlossen. Stand Mitte August 2020 sind rund 87 Stunden auf diese Weise durchgängig lemmatisiert und rund 96 Stunden von über 360 Stunden der vorhandenen Übersetzungen zeitlich abschnittsweise mit den Filmen verknüpft worden. Insgesamt umfasst das DGS-Korpus rund 624000 Belege. Die Arbeit der Erschließung ist fortlaufend, so dass sich die Datengrundlage für das Wörterbuch ständig vergrößert und verbessert.

Durch diese Erschließung können alle bereits lemmatisierten Belege einer bestimmten Gebärde in ihrem jeweiligen Kontext gesichtet und analysiert werden. Diese Daten sind die Grundlage der Beschreibung jeder einzelnen Gebärde im Wörterbuch mit Angaben zu ihren Varianten und ihrer Verbreitung in Deutschland, ihren verschiedenen Bedeutungen und typischen Verwendungen. Ein großer Teil des Korpus (rund 50 Stunden) ist im öffentlichen Korpus online zugänglich gemacht (MEINE DGS, MEINE DGS – annotiert). Für die Bearbeitung des Wörterbuchs werden jedoch alle bereits erschlossenen Aufnahmen und Belege des DGS-Korpus zur Analyse herangezogen, auch die, die nicht im öffentlichen Korpus zugänglich sind. Die Beispiele im Wörterbuch für verschiedene Bedeutungen und Verwendungen einer Gebärde, die ihren Gebrauch im Kontext zeigen, werden dem Korpusmaterial direkt entnommen und im Eintrag gezeigt.

Weitere Informationen zum Projekt, der Auswahl der gefilmten Personen, der Aufgaben und Themen, die bei der Erhebung vorgegeben wurden, zur Anordnung der Kameras, zu der Art der Erschließung und Analyse der Daten und zu einzelnen Arbeitsschritten bei der Erstellung des Wörterbuchs finden sich in den Arbeitspapieren des Projekts.

DGS-Feedback

Das DGS-Feedback ist eine an die Sprachgemeinschaft gerichtete Online-Umfrage zu Gebärden, deren Bedeutungen und Verbreitung. Durch das DGS-Feedback sammeln wir zusätzliche Daten, die über das Korpus hinausgehen. Am DGS-Feedback können alle Sprachbenutzerinnen und Sprachbenutzer teilnehmen und so einen Betrag zur Forschung leisten: Gehörlose, Schwerhörige, Hörende, CI-Trägerinnen und CI-Träger, Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie andere Personengruppen, die DGS verwenden. Bis zum August 2020 haben 309 Personen am DGS-Feedback teilgenommen. In der Umfrage können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen drei Antwortmöglichkeiten wählen: 1) die Gebärde benutzte ich, 2) die Gebärde kenne ich, benutze sie aber nicht und 3) die Gebärde ist mir nicht bekannt.

Die Antworten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem DGS-Feedback werden von uns ausgewertet und helfen uns bei der Arbeit am Wörterbuch. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass eine Bedeutung einer Gebärde im DGS-Korpus nur schwach belegt ist. Wenn wir diese Bedeutung im DGS-Feedback abgefragt haben und dort viele Personen bestätigt haben, dass sie die Gebärde in dieser Bedeutung selbst verwenden, dann bestärken uns ihre Antworten bei der Entscheidung, diese Bedeutung in den Wörterbucheintrag aufzunehmen.

Vor allem bei Gebärden mit einer regional beschränkten Verbreitung sind die zusätzlichen Daten aus dem DGS-Feedback hilfreich. Manchmal gibt es sehr viele verschiedene regionale Gebärden für eine Bedeutung z.B. für Monate, Tage oder Farben. Diese vielen regionalen Gebärden verteilen sich auf die 330 Informantinnen und Informanten des DGS-Korpus, sodass wir vielleicht nur ein oder zwei Personen im Korpus haben, die eine bestimmte Gebärde für Januar benutzen. In so einem Fall stellt sich natürlich die Frage: Ist diese Gebärde eine Eigenheit der zwei Personen oder gibt es noch mehr Menschen, die diese Gebärde kennen und/oder benutzen? Daten aus dem DGS-Feedback helfen uns, solche Fragen zu beantworten und Entscheidungen zu treffen, ob bestimmte Gebärden ins Wörterbuch aufgenommen werden oder nicht.

Weitere Informationen zum DGS-Feedback finden Sie auf der Projekthomepage, in unseren Veröffentlichungen und bei den Arbeitspapieren des Projektes.

SignHunter

SignHunter ist ein Programm, mit dem man einzelne Gebärden sammeln kann. Das Programm wird bei größeren Veranstaltungen eingesetzt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können vor Ort ihre Gebärden in eine Kamera gebärden. Dazu können sie aus einer Liste aussuchen, für welche Bedeutung sie eine Gebärde aufnehmen wollen. Es gibt keine Vorgabe dafür, wie viele Gebärden aufgenommen werden dürfen. Jeder Teilnehmer oder jede Teilnehmerin entscheidet für sich selbst, ob er oder sie nur eine Gebärde oder z.B. 20 Gebärden beisteuern will. Besonders geeignet ist diese Erhebungsmethode für Bedeutungen, die klar abgegrenzt sind wie z.B. Namensgebärden von Städten oder Bundesländern, denn bei solchen sehr eindeutigen Begriffen gibt es im Gebrauch kaum feine Bedeutungsunterschiede. Daher können sie gut auch ohne weiteren Kontext isoliert abgefragt werden.

Bislang hat das DGS-Korpus-Projekt SignHunter bei den 6. Kulturtagen der Gehörlosen in Potsdam und bei Vorträgen der Fokusgruppe eingesetzt. Erhoben wurden Namensgebärden für Städte in Deutschland, Bundesländer und Stadtteile großer Städte in Deutschland (Berlin, Hamburg, München, Köln). Während der Kulturtage in Potsdam haben 135 Personen teilgenommen und im Schnitt für 11-12 Städte-, Bundesländer- oder Stadtteilnamen ihre Gebärden beigesteuert. Diese Daten wurden ausgewertet und stehen den Bearbeiterinnen des Wörterbuches als zusätzliche Informationen zur Verfügung. Mit diesen zusätzlichen Daten werden die Entscheidungen, welche Gebärden für Städte im Wörterbuch gezeigt werden, unterstützt, vor allem bei Städtenamen, die seltener oder gar nicht im DGS-Korpus enthalten sind.

Weitere Informationen zu SignHunter finden Sie in unseren Veröffentlichungen und bei den Arbeitspapieren des Projektes.

Anhänge

In den Anhängen werden Sets gleichartiger Gebärden aus einem bestimmten Bereich vergleichend im Überblick oder systematisch im Verhältnis zueinander dargestellt oder auf eine zusätzliche, andere Darstellungsweise erschlossen.

Anhänge Gebärden für Monate und Wochentage

Für die Analyse und Bearbeitung von Wörterbucheinträgen werden normalerweise nur gut belegte Gebärden aus dem DGS-Korpus ausgewählt. Unser Schwellenwert für die Bearbeitung einer Gebärde ist eine Beleglage von mindestens 25 Korpus-Belegen für mindestens eine verbreitete Bedeutung dieser Gebärde. Belege aus dem Korpus ergeben sich aus den lemmatisierten Daten.

Es gibt bestimmte Gruppen von Gebärden wie zum Beispiel Monate oder Wochentage, die sich regional sehr stark unterscheiden. Das führt dazu, dass Gebärden, die fast ausschließlich in kleineren Regionen verwendet werden, nur sehr schwach im Korpus belegt sind, da für einige Regionen nur wenige Personen gefilmt wurden. Würde man diese regionalen Gebärden aufgrund des Schwellenwertes weglassen, wären bestimmte Regionen vielleicht gar nicht mit ihren regionalen Gebärden vertreten und die Darstellung der Gebärdenverwendung in dem betreffenden Bedeutungsset wie zum Beispiel bei Monaten oder Wochentagen wäre verzerrt. Deshalb sind wir hier von dem Schwellenwert der 25 Belege abgewichen und haben zusätzlich Daten aus dem DGS-Feedback genutzt, um ein klareres Bild von der Verbreitung regionaler Monats- und Wochentagsgebärden zu bekommen.

Im Wörterbuch enthalten sind alle Monats- und Wochentagsgebärden, die von mindestens drei Personen aus dem Korpus und insgesamt von mindestens fünf Personen (aus dem Korpus und DGS-Feedback zusammen) benutzt wurden. Im DGS-Korpus wurden die Monatsgebärden von der Hälfte aller Informantinnen und Informanten gezielt abgefragt. Korpusbelege für Monatsgebärden bestehen also nicht nur aus zufällig in Gesprächen auftretenden Belegen. Gebärden für Wochentage wurden in einer speziellen Aufgabe zur Terminfindung im angeleiteten Gespräch erhoben. So erklärt sich die zum Teil noch relativ gute Beleglage trotz einer starken regionalen Variation bei Monatsgebärden und Wochentagen. Im DGS-Feedback wurden gezielt die im Korpus gefundenen Monats- und Wochentagsgebärden gezeigt und abgefragt. So haben wir noch ergänzende Daten zu ihrer Verbreitung erhalten.

Die gezeigten Karten verwenden den Kartentyp Übersichtskarte zur regionalen Verbreitung bedeutungsgleicher Gebärden.

Anhang Geographisches

Bei den gefilmten Daten des DGS-Korpus gebärden die beteiligten Personen locker und erzählen z.B. Geschichten aus ihrem Leben. Daher hängt es stark vom Zufall ab, welche Städte und Orte in diesen Gesprächen und Erzählungen erwähnt werden. Damit wir im Wörterbuch Gebärden für die wichtigsten Städte beschreiben können, haben wir zusätzliche Daten zu Städtegebärden mit dem Programm SignHunter erhoben.

Städte-Gebärden, die im DGS-Korpus belegt sind oder mit SignHunter erhoben wurden, sind im Anhang Geographisches übersichtlich zusammengestellt. Hier kann man mit dem Mauszeiger zum Beispiel über die Deutschlandkarte fahren und bekommt dann die passenden Städtegebärden eingeblendet. Beim Klicken auf die Eintragsnummer unter dem bewegten Gebärdenbild springt man zum passenden Wörterbucheintrag.

Geschlechtergerechte Sprache im DW-DGS

Im DW-DGS steht die Beschreibung von DGS-Gebärden und deren Gebrauch im Fokus. Deutsch wird an verschiedenen Stellen wie der Bedeutungserklärung, den Kontexten und den Übersetzungen der gebärdeten Beispielsätze verwendet. An den Schnittstellen zum Deutschen kommt die aktuelle Diskussion um geschlechtergerechte Sprache zum Tragen, die im deutschen Sprachraum geführt wird. In dieser Frage unterscheiden sich DGS und Deutsch, denn in DGS wird bei Personenbezeichnungen das Geschlecht selten sprachlich markiert (vgl. Löffler, Molzer & Rasch, 2020) und im Deutschen immer.

Das DGS-Korpus-Team bemüht sich um geschlechtergerechte Sprache im Deutschen. Gleichzeitig sollen Lesefreundlichkeit und leichte Verständlichkeit gewahrt bleiben. Aus diesem Grund wägen wir bei Personenbezeichnungen im Deutschen sorgfältig ab.

  • Bedeutungserklärungen:

    Die Bedeutungserklärungen sind Beschreibungen der Bedeutungen oder Verwendungen einer Gebärde. Deutsch hat an dieser Stelle die Funktion einer Beschreibungssprache. Bei einfachen Konstruktionen nutzen wir eine gedoppelte Form (z.B. Leserin und Leser) oder eine gleiche Verteilung (Zuschauerin und Besucher). Das generische Maskulinum oder eine neutrale Form (z.B. Studierende, die Person(en)) wird bei komplexeren Strukturen oder langen Bedeutungserklärungen bevorzugt, da Lesefreundlichkeit und Verständlichkeit der Definition Vorrang vor geschlechtergerechter Sprache haben.

  • Beispielkontexte:

    Die Beispielkontexte sind Stichpunkte oder kurze Beschreibungen zum Gesprächskontext, in dem das Beispiel vorkommt. Sie sollen helfen, die Beispiele besser zu verstehen. In den Kontexten wird Deutsch also als Beschreibungssprache verwendet, die einen gebärdensprachlichen Äußerungskontext möglichst klar und knapp wiedergeben soll. Das von uns verfolgte Prinzip ist, dass Lesefreundlichkeit und Verständlichkeit Vorrang vor geschlechtergerechter Sprache haben. Für die Umsetzung im Deutschen bedeutet das, dass ggf. auch das generische Maskulinum verwendet wird, bei einfachen Konstruktionen für Gruppen die gedoppelte Form benutzt wird, bei komplexen Konstruktionen jedoch auch das generische Maskulinum oder eine neutrale Form verwendet werden kann.

  • Beispielübersetzungen:

    In einer ersten kleinen Untersuchung des DGS-Korpus hat sich gezeigt, dass die DGS nur in Ausnahmefällen Gender-Markierung nutzt (Löffler, Molzer & Rasch, 2020). Um näher an der Ausgangssprache zu bleiben, wird dementsprechend in den Übersetzungen von Gender-Markierungen abgesehen, wenn das Geschlecht der Person(en) unklar ist oder es sich um eine gemischte Gruppe handelt. In diesem Fall wird das generische Maskulinum verwendet. Wenn im Kontext der DGS-Äußerung klar wird, dass es sich um eine Frau, einen Mann oder eine reine Frauen- bzw. Männergruppe handelt, wird das Geschlecht entsprechend übersetzt.

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Wie oben dargestellt, handelt es sich bei der derzeitigen Fassung um Vorab-Einträge des Digitalen Wörterbuches der DGS. Insofern rechnen Sie bitte mit häufigen Aktualisierungen dieser Website, die ohne Ankündigung und ohne Garantie auf den Erhalt von URLs geschehen. Mit Absicht sind also einzelne Inhalte bisher nicht mit DOIs versehen. Insofern geschieht das Verlinken oder Zitieren einzelner Inhalte, gleich ob Text oder Video, auf die Gefahr hin, dass sich die Inhalte ändern.

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Literatur

Jana Löffler, Ronja Molzer & Charis Jolanthe Rasch (2020): Gender-fair Language in the Translation of Signed Utterances in the DGS-Korpus Project - Relevance and Challenges. DGS-Korpus-Arbeitspapier AP11-2020-01. DOI: 10.25592/uhhfdm.1747.