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Hamburg - Silicon Valley der deutschen Medienforschung



D ie "Dynamik der Medienforschung" hat kürzlich eine aufwendige, etwas kompliziert klingende "szientometrische Analyse" vom Informationszentrum Sozialwissenschaften in Bonn vermessen. (1) Die Ergebnisse wurden im Sommer dieses Jahres veröffentlicht: Knapp eintausend Medienwissenschaftler hat diese Studie erfaßt.


Von Knut Hickethier
D abei stand vor allem das "Invisible College" im Mittelpunkt des Interesses. Nicht eine 'virtuelle Wissenschaft' ist hiermit gemeint, sondern es wurde untersucht, wo in dem "sozialen System Wissenschaft" Kooperationen zustandekommen und "zentral vernetzte Personen" zu finden sind, Wissenschaftler also, die in "unmittelbaren Produktionsbeziehungen mit anderen Wissenschaftern stehen", damit auch "direkt und indirekt zum wissenschaftlichen Nachwuchs", und die als "Experten" mehrfach mit einschlägigen Publikationen in Erscheinung getreten sind. "Zentral vernetzte Personen agieren im Herzen 'unsichtbarer Kollegien'," heißt es.

Invisible Colleges

Überraschend - oder vielleicht dann doch nicht überraschend - liegt Hamburg als Standort solcher "Invisible Colleges" ganz weit vorn. Die Studie kommt zum Ergebnis, es sei "vor allem die Stellung des Medienstandortes Hamburg hervorzuheben. Es ist nicht allzu hoch gegriffen, diese Stadt als das 'Silicon Valley' der deutschen Medienforschung zu bezeichnen: In der Liste der 'zentralsten' Einrichtungen ist Hamburg gleich mit drei Instituten repräsentiert (Hans-Bredow-Institut sowie die Universitätsinstitute für politische Wissenschaft und Journalistik). Daneben sind zentral vernetzte Personen in Hamburg an psychologischen und literaturwissenschaftichen Universitätsinstituten sowie an verschiedenen kleineren, einschlägig spezialisierten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen beschäftigt. Diese Vielfalt und die räumliche Nähe zu einer Vielzahl von Medienunternehmen - vorrangig aus dem Print-, aber auch aus dem Rundfunkbereich - schafft günstige Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Forschungsstandortes." (S. 84f.)

Über ein solches "szientometrisch" gemessenes Lob freuen sich natürlich die Hamburger Medienwissenschaftler. Daß es so ist, haben sie ja immer schon gewußt, aber daß es sich auch schon bis Bonn herumgesprochen hat, wärmt das Herz nicht nur der 'zentral vernetzten Personen'. Vielleicht könnte man sich in Hamburg ja daraufhin noch mehr vernetzen, um zum 'College aller Colleges', zur 'unsichtbaren Mutter aller Medienwissenschaften' zu werden?

Anmerkung
1) Jürgen Güdler: Dynamik der Medienforschung. Eine szientometrische Analyse auf der Grundlage sozialwissenschaftlicher Fachdatenbanken. Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften Bonn 1996. Studie im Auftrag des Bundesmininsteriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, 134 S.)

November 1996 - ZMMnewsONLINE -
Zentrum für Medien und Medienkultur - Universität Hamburg