07.052
MA (c) Gebärdensprachgemeinschaften/ Seminar II
Dipl.(f) Gebärdensprachgemeinschaften/ Seminar II
Siegmund Prillwitz, Ulrich Hase, Karin Wempe
Hörsaal Phil A
3std., Mi 16-18 + 1 Std. AG (Beginn: 27.10.99)
Erst mit der verstärkten linguistischen Erforschung von Gebärdensprachen,
insbesondere der American Sign Language, gerieten die Gebärdensprachen
ins Blickfeld der hörenden Welt. Es erfolgte relativ schnell eine
sprachwissenschaftliche Rehabilitation dieser visuellen Sprachen,
die Grundlage für eine immer größere Akzeptanz in der hörenden
Mehrheitsgesellschaft wurde.
Während in Ländern wie Schweden oder USA schon in den 70er und
80er Jahren politische, rechtliche und daraus resultierend auch
finanzielle Konsequenzen gezogen wurden, läßt die politische Anerkennung
der Deutschen Gebärdensprache in unserem Lande immer noch auf
sich warten.
Im Seminar wollen wir versuchen, die Situation zur Anerkennung
der DGS in Deutschland zu beschreiben und die wichtigsten Stationen
dieses Kampfes herauszuarbeiten. Dies soll auf der Grundlage einer
systematischen Sammlung und Sichtung entsprechender Dokumente
geschehen, die den Grundstock eines Internet-Pools zu diesem Thema
bilden, den wir im Rahmen der Seminararbeit aufbauen und umsetzen
wollen. Dieser mittelfristig weiterzuführende Informationspool
soll allen Interessierten und mit der Gebärdensprachthematik befaßten
Personen und Institutionen einen leichten und vollständigen Zugriff
auf sachdienliche Dokumente, Statements und Informationen ermöglichen
und somit die Arbeiten zur Anerkennung der DGS für alle daran
Beteiligten fundieren und erleichtern.
Darüber hinaus gilt es, im Seminar die historischen Hintergründe
für die skeptische Haltung gegenüber der DGS herauszuarbeiten
und entsprechende Entwicklungen auch in anderen Ländern zu beleuchten
(hier sind insbesondere Studierende mit Schwedisch-Kenntnissen
gefragt).
Zugleich können von seiten der drei DozentInnen U. Hase: Präsident
des Deutschen Gehörlosen-Bundes und Behindertenbeauftragter; S.
Prillwitz: langjähriger Vorsitzender der Ges. für Gebärdensprache
sowie Gründer des IDGS; Karin Wempe: Chefredakteurin von DAS ZEICHEN
und Geschäftsführerin der Ges. für Gebärdensprache sowie weiterer
Gäste aus eigener Erfahrung authentische Beiträge zum Thema eingebracht
werden.
In den Referaten können ganz unterschiedliche Fragestellungen
behandelt werden. Sie reichen von der Darstellung und Analyse
historischer Positionen, über eine linguistische Überprüfung der
ablehnenden Urteile zur DGS bis zur aktuellen Standortbestimmung
in den unterschiedlichsten Bereichen wie Politik, Recht, Pädagogik,
Soziologie, Psychologie etc. oder auch ganz praktischen mit der
Anerkennung der DGS verbundenen Umsetzungsaspekte wie z.B. Anspruch,
Einsatz, Bereitstellung, Ausbildung und Finanzierung von GebärdensprachdolmetscherInnen.
Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar ist der Nachweis der Zwischenprüfung.
Einführende Literatur:
Donath/Hase/Prillwitz/Wempe (Hg.): Eine Minderheit verschafft
sich Gehör. Textdokumente zur Anerkennung der Gebärdensprache
Gehörloser. (Internationale Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation
Gehörloser, Band 31). Hamburg: Signum 1996