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MA (c) Gebärdensprachgemeinschaften/ Seminar II
Dipl.(f) Gebärdensprachgemeinschaften/ Seminar II

Siegmund Prillwitz, Ulrich Hase, Karin Wempe

Zur nationalen und internationalen Anerkennung der Gebärdensprachen in Vergangenheit und Gegenwart


Hörsaal Phil A
3std., Mi 16-18 + 1 Std. AG (Beginn: 27.10.99)


Zum Seminarthema:
Die Gebärdensprachen Gehörloser waren seit Ende des 19. Jahrhunderts infolge der einseitig auf die Lautsprache ausgerichteten Gehörlosenpädagogik als Nicht-Sprachen diskriminiert und im pädagogischen Prozeß nicht zugelassen. Aufgrund dieser Ablehnung war die Verwendung von Gebärdensprachen fast ausschließlich auf die interne Kommunikation innerhalb der Gehörlosengemeinschaft beschränkt.

Erst mit der verstärkten linguistischen Erforschung von Gebärdensprachen, insbesondere der American Sign Language, gerieten die Gebärdensprachen ins Blickfeld der hörenden Welt. Es erfolgte relativ schnell eine sprachwissenschaftliche Rehabilitation dieser visuellen Sprachen, die Grundlage für eine immer größere Akzeptanz in der hörenden Mehrheitsgesellschaft wurde.

Während in Ländern wie Schweden oder USA schon in den 70er und 80er Jahren politische, rechtliche und daraus resultierend auch finanzielle Konsequenzen gezogen wurden, läßt die politische Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache in unserem Lande immer noch auf sich warten.

Im Seminar wollen wir versuchen, die Situation zur Anerkennung der DGS in Deutschland zu beschreiben und die wichtigsten Stationen dieses Kampfes herauszuarbeiten. Dies soll auf der Grundlage einer systematischen Sammlung und Sichtung entsprechender Dokumente geschehen, die den Grundstock eines Internet-Pools zu diesem Thema bilden, den wir im Rahmen der Seminararbeit aufbauen und umsetzen wollen. Dieser mittelfristig weiterzuführende Informationspool soll allen Interessierten und mit der Gebärdensprachthematik befaßten Personen und Institutionen einen leichten und vollständigen Zugriff auf sachdienliche Dokumente, Statements und Informationen ermöglichen und somit die Arbeiten zur Anerkennung der DGS für alle daran Beteiligten fundieren und erleichtern.

Darüber hinaus gilt es, im Seminar die historischen Hintergründe für die skeptische Haltung gegenüber der DGS herauszuarbeiten und entsprechende Entwicklungen auch in anderen Ländern zu beleuchten (hier sind insbesondere Studierende mit Schwedisch-Kenntnissen gefragt).

Zugleich können von seiten der drei DozentInnen ­ U. Hase: Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes und Behindertenbeauftragter; S. Prillwitz: langjähriger Vorsitzender der Ges. für Gebärdensprache sowie Gründer des IDGS; Karin Wempe: Chefredakteurin von DAS ZEICHEN und Geschäftsführerin der Ges. für Gebärdensprache ­ sowie weiterer Gäste aus eigener Erfahrung authentische Beiträge zum Thema eingebracht werden.

In den Referaten können ganz unterschiedliche Fragestellungen behandelt werden. Sie reichen von der Darstellung und Analyse historischer Positionen, über eine linguistische Überprüfung der ablehnenden Urteile zur DGS bis zur aktuellen Standortbestimmung in den unterschiedlichsten Bereichen wie Politik, Recht, Pädagogik, Soziologie, Psychologie etc. oder auch ganz praktischen mit der Anerkennung der DGS verbundenen Umsetzungsaspekte wie z.B. Anspruch, Einsatz, Bereitstellung, Ausbildung und Finanzierung von GebärdensprachdolmetscherInnen.

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar ist der Nachweis der Zwischenprüfung.

Einführende Literatur:
Donath/Hase/Prillwitz/Wempe (Hg.): Eine Minderheit verschafft sich Gehör. Textdokumente zur Anerkennung der Gebärdensprache Gehörloser. (Internationale Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser, Band 31). Hamburg: Signum 1996