07.090

MA (b) Gebärdensprachlinguistik / Seminar II
Dipl. (f) Gebärdensprachlinguistik / Seminar II

Renate Fischer

Deixis in Gebärdensprachen, unter bes. Berücksichtigung der "Zeigegeste"

(im Seminarverbund mit Spezieller Kommunikationsbereich: Linguistik, Simon Kollien)

Institut für Deutsche Gebärdensprache (vgl. Aushang)
2std., Di 12-14, Bi 34, Raum 2


Zum Seminarthema:
Deixis ist "Zeigen" mit sprachlichen Ausdrücken (Deiktika). Der amerikanische Gebärdensprachlinguist Liddell hat Deixis zum Anlass genommen, sich genauer mit den Kongruenzverben/Richtungsgebärden auseinanderzusetzen; seines Erachtens ist diese Gebärdengruppe durch eine Verbindung aus nichtsprachlichen (--> deiktischen) und sprachlichen (--> Verbstamm) Anteilen gekennzeichnet. Dies ist sein Vorschlag, um die vielfältigen räumlichen Bezugspunkte einer "Richtungsgebärde" wie zum Beispiel "GEBEN" theoretisch zu erfassen. Außerdem versucht er damit in die alte Diskussion um Bildhaftigkeit "oder" Systemhaftigkeit von Gebärdensprachen einzugreifen.
Abgesehen von den "Verbendungen", spielt Deixis vor allem natürlich eine Rolle in der Gebärde des Index, also der "zeigenden", "verortenden", "pronominalen" Gebärde mit der D-Handform. Diese zeigende Gebärde hat größe formale (und funktionale?) Ähnlichkeit mit der Zeigegeste, die in lautsprachlicher Kommunikation Verwendung finden kann. Im Seminar soll diese Ähnlichkeit zum Anlass genommen werden, über Form- und Funktionsähnlichkeiten bzw. -unterschiede über die Sprachmodalitäten hinweg nachzudenken. Eine besondere Berücksichtigung soll dabei die Tatsache finden, dass "Zeigegesten" zum universellen elementaren Kommunikationsinventar gehören; dass sie zentraler Bestandteil jeden Spracherwerbsprozesses sind; und dass auch der Versuch, die Entstehung von Sprache in grauer Vorzeit zu beschreiben, diese spezielle elementare Kommunikationsform in zentraler Funktion berücksichtigt. Sie ist auch historisch gesehen eines der ersten Mittel, das in der so genannten "manuellen Unterrichtsmethode" (in der Nachfolge Epées) beim Sprachaufbau eingesetzt wurde. Es ist weiterhin Ziel des Seminars, mit Hilfe einer Dokumentation über die einzelnen Erarbeitungsschritte am Ende des Seminars, also rückblickend, ein tieferes Verständnis für die eigene Art des Umgehens mit fachlichen Problemstellungen zu gewinnen.

Zum Ablauf:
Im ersten Seminardrittel sollen Beispiele für die "Zeigegeste" in lautsprachlicher und gebärdensprachlicher Kommunikation gesammelt werden; dies geschieht insbesondere im Seminarverbund mit der DGS-Sprachlehrveranstaltung von Simon Kollien über den Speziellen Kommunikationsbereich Linguistik. Über diese Beispiele werden wir unsere eigene Problem- oder Fragestellung formulieren; diese kann Bezug nehmen auf ein theoretisches Verständnis von Deixis oder die Frage im Auge behalten, was deiktische Sprachanteile beziehungsweise die "Zeigegeste" auszeichnet gegenüber anderen Wörtern/Gebärden/Gesten. Unter Hinzuziehung von Fachliteratur soll im letzten Seminardrittel eine Antwort auf diese Frage(n) versucht werden. Alle Bearbeitungsschritte sollen dokumentiert und in der Schlussphase ausgewertet werden (siehe oben).

Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Seminar Ia und einem Seminar Ib im Bereich Gebärdensprachlinguistik.

Ich bescheinige die erfolgreiche Teilnahme, wenn  regelmäßige aktive Teilnahme (schriftlich festgehalten) an der Dokumentation vorliegt, die mindestens die Beurteilung "ausreichend"  erhält . ? Die Anforderungen an eine Seminar II-Leistung im Rahmen der B.A.-Prüfung entnehmen Sie bitte dem Informationsblatt des Fachbereichs.