MA (b) Gebärdensprachlinguistik / Seminar II
Dipl. (f) Gebärdensprachlinguistik / Seminar II
Renate Fischer
Institut für Deutsche Gebärdensprache (vgl. Aushang)
2std., Di 12-14, Bi 34, Raum 2
Zum Seminarthema:
Deixis ist "Zeigen" mit sprachlichen Ausdrücken (Deiktika). Der
amerikanische Gebärdensprachlinguist Liddell hat Deixis zum Anlass
genommen, sich genauer mit den Kongruenzverben/Richtungsgebärden auseinanderzusetzen;
seines Erachtens ist diese Gebärdengruppe durch eine Verbindung aus
nichtsprachlichen (--> deiktischen) und sprachlichen (--> Verbstamm) Anteilen
gekennzeichnet. Dies ist sein Vorschlag, um die vielfältigen räumlichen
Bezugspunkte einer "Richtungsgebärde" wie zum Beispiel "GEBEN" theoretisch
zu erfassen. Außerdem versucht er damit in die alte Diskussion um
Bildhaftigkeit "oder" Systemhaftigkeit von Gebärdensprachen einzugreifen.
Abgesehen von den "Verbendungen", spielt Deixis vor allem natürlich
eine Rolle in der Gebärde des Index, also der "zeigenden", "verortenden",
"pronominalen" Gebärde mit der D-Handform. Diese zeigende Gebärde
hat größe formale (und funktionale?) Ähnlichkeit mit der
Zeigegeste, die in lautsprachlicher Kommunikation Verwendung finden kann.
Im Seminar soll diese Ähnlichkeit zum Anlass genommen werden, über
Form- und Funktionsähnlichkeiten bzw. -unterschiede über die
Sprachmodalitäten hinweg nachzudenken. Eine besondere Berücksichtigung
soll dabei die Tatsache finden, dass "Zeigegesten" zum universellen elementaren
Kommunikationsinventar gehören; dass sie zentraler Bestandteil jeden
Spracherwerbsprozesses sind; und dass auch der Versuch, die Entstehung
von Sprache in grauer Vorzeit zu beschreiben, diese spezielle elementare
Kommunikationsform in zentraler Funktion berücksichtigt. Sie ist auch
historisch gesehen eines der ersten Mittel, das in der so genannten "manuellen
Unterrichtsmethode" (in der Nachfolge Epées) beim Sprachaufbau eingesetzt
wurde. Es ist weiterhin Ziel des Seminars, mit Hilfe einer Dokumentation
über die einzelnen Erarbeitungsschritte am Ende des Seminars, also
rückblickend, ein tieferes Verständnis für die eigene Art
des Umgehens mit fachlichen Problemstellungen zu gewinnen.
Zum Ablauf:
Im ersten Seminardrittel sollen Beispiele für die "Zeigegeste"
in lautsprachlicher und gebärdensprachlicher Kommunikation gesammelt
werden; dies geschieht insbesondere im Seminarverbund mit der DGS-Sprachlehrveranstaltung
von Simon Kollien über den Speziellen Kommunikationsbereich Linguistik.
Über diese Beispiele werden wir unsere eigene Problem- oder Fragestellung
formulieren; diese kann Bezug nehmen auf ein theoretisches Verständnis
von Deixis oder die Frage im Auge behalten, was deiktische Sprachanteile
beziehungsweise die "Zeigegeste" auszeichnet gegenüber anderen Wörtern/Gebärden/Gesten.
Unter Hinzuziehung von Fachliteratur soll im letzten Seminardrittel eine
Antwort auf diese Frage(n) versucht werden. Alle Bearbeitungsschritte sollen
dokumentiert und in der Schlussphase ausgewertet werden (siehe oben).
Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Seminar Ia und einem Seminar Ib im Bereich Gebärdensprachlinguistik.
Ich bescheinige die erfolgreiche Teilnahme, wenn regelmäßige
aktive Teilnahme (schriftlich festgehalten) an der Dokumentation vorliegt,
die mindestens die Beurteilung "ausreichend" erhält . ? Die
Anforderungen an eine Seminar II-Leistung im Rahmen der B.A.-Prüfung
entnehmen Sie bitte dem Informationsblatt des Fachbereichs.