Renate Fischer
BA --
Magister (a) Gebärdensprachlinguistik + Kulturwiss./ Seminar II
Dipl. (e) Kulturwissenschaft / Seminar II
Sprachkritik (Fachrichtung Kulturwissenschaft)
2 std.
Ort Binderstraße 34, Raum 4
Zeit Di 14- 16
Zum Seminarthema:
Der Deutsche Gehörlosenbund hat erst kürzlich wieder darauf aufmerksam gemacht, welche Risiken er mit der Praxis der Cochlea-Implantation verbunden sieht. Die Stellungnahme wendet sich nicht prinzipiell gegen das CI, sondern vornehmlich gegen erhobene Ansprüche, ausgeklammerte Probleme etc. Diese Aspekte sind an sich ja keineswegs neu, und es fällt auf, wie wenig Resonanz sie in Beratungsmaterialien oder in anderweitigen Verlautbarungen pro CI bisher gefunden haben.
Da diese Pro-CI-Verlautbarungen unterschiedlicher Textart ein wesentlicher Grund dafür sein dürften, dass hörende Eltern sich für die Kombination "pro CI und gegen DGS" entscheiden - trotz invasiver Operation und Nachsorgeaufwand , möchte ich im Seminar anhand von ausgewählten Texten der Frage nachgehen, was diese Texte an sich haben, dass sie eine derartige Wirkung haben oder zumindest unterstützen.
Diesbezüglich möchte ich mit den TeilnehmerInnen überprüfen, inwiefern Sprachkritik einsetzbar ist. Was kann "man" Texten entgegenhalten, die Vorgehensweisen propagieren, durch deren Auswirkungen die Ge-bärdensprachgemeinschaft sich in ihrer Existenz bedroht fühlt? Einführend möchte ich kurz auf unterschied-liche sprachkritische Ansätze eingehen und dann das Augenmerk speziell auf die von Schwinn vorgelegte Sprachkritik lenken. Ausgehend von diesem Modell der Sprachkritik, das vor einem verstehenssoziologischen Hintergrund die grundsätzliche Unterscheidung von Manipulation und Überzeugung für relevant erachtet, wird es im Seminar also konkret um authentische Texte und die sprachkritische Arbeit an ihnen gehen.
Teilnahmevoraussetzung ist der erfolgreiche Abschluss des Grundstudiums.