07.045
MA (b) Gebärdensprachlinguistik / Seminar II
Dipl. (g) Gebärdensprachlinguistik / Seminar II
Siegmund Prillwitz, Hubert Wudke
Zur bilingualen Erziehung Gehörloser
Institut für Deutsche Gebärdensprache (Binderstraße 34, Raum 3)
3std., Mi 16-19
Dieses Hauptseminar befaßt sich mit der komplexen Thematik einer sog. bilingualen Erziehung und Bildung gehörloser Kinder in Laut-, Schrift- und Gebärdensprache. Es soll die spezifische Bedeutung des Bilingualismus-Begriffs in diesem Kontext abgeklärt und die zentralen Argumente des bilingualen Ansatzes diskutiert werden.
Dabei wollen wir insbesondere mit Bezug auf den deutschsprachigen Raum zugleich auch eine historische Perspektive verfolgen, indem wir die Wandlung der vormals einseitig oral-aural ausgerichteten Gehörlosenpädagogik zu einer die Gebärden bzw. Gebärdensprache Gehörloser mit einbeziehenden Methode in den letzten beiden Jahrzehnten reflektieren.
Dies soll unter Einbeziehung der beiden Hamburger Vor-/Schulversuche und der dort erstellten bzw. erhobenen Materialien zu den unterschiedlichsten Entwicklungsbereichen geschehen (Kommunikationsverhalten, Sprechen, Lesen, Schreiben, Gebärden, Lernprozesse, kognitive Prozesse, soziales Verhalten, Identität etc.). Darüber hinaus soll versucht werden, die Langzeitstudie zu dem von uns über mehr als zehn Jahre betreuten Früherziehungsjahrgang von 10 gehörlosen Kindern (vgl. Prillwitz/Wudtke 1988) fortzuschreiben und so erstmals auch Langzeitwirkungen unseres in den 80er Jahren umgesetzten ansatzweise bilingualen Konzepts auf die jetzigen Schulabgänger nachzuspüren.
In den Referaten können ganz unterschiedliche Fragestellungen behandelt werden. Zum einen gilt es, theoretische bzw. argumentative Aspekte des Gebärdensprach-Lautsprach-Bilingualismus bei Gehörlosen abzuklären, zum anderen sollen konkrete Detailanalysen kommunikativ-sprachlichen Verhaltens auf der Grundlage erhobenen Videomaterials durchgeführt werden, wobei die Möglichkeiten und Grenzen der Kompetenz in Gebärdensprache, Sprechsprache sowie im Lesen und Schreiben (Textkompetenz) im Mittelpunkt stehen werden.
Weitere Einzelheiten zu möglichen Referatthemen und Schwerpunktsetzungen werden in der ersten Vorbesprechung diskutiert, die Mittwoch, den 3. Februar von 14.00 bis 15.00 in der Binderstr. 34, U 3 stattfindet. Wer an dieser Vorbereitungssitzung nicht teilnehmen kann, möge sich zur Absprache eines Referatthemas in einer unserer Sprechstunden einfinden.
Voraussetzungen für die Teilnahme an diesem Seminar sind der Nachweis einer erfolgreichen Zwischenprüfung sowie Grundkenntnisse der DGS und ihrer Transkription. Für die Übernahme einer empirischen Erhebungs- bzw. Auswertungsarbeit zur DGS ist die Beherrschung des Computer-Transkriptionsprogramms SyncWRITER wünschenswert.
Einführende Literatur:
Prillwitz, Siegmund: Zum Konzept der Zweisprachigkeit in Erziehung und Bildung Gehörloser- Eine Einladung zur Diskussion. In: Das Zeichen. Vierteljahresschrift zum Thema Gebärdensprache u. Kommunikation Gehörloser. 10 3 (1989) - S. 76-87
Prillwitz, Siegmund / Wudtke, Hubert: Gebärden in der vorschulischen Erziehung gehörloser Kinder. Zehn Fallstudien zur kommunikativ-sprachlichen Entwicklung gehörloser Kinder bis zum Einschulungsalter. (Internationale Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser; 3) Hamburg : Verl. hörgeschädigte Kinder 1988 - 379 S.
Wisch, Fritz-Helmut: Lautsprache und Gebärdensprache - Die Wende zur Zweisprachigkeit in Erziehung und Bildung Gehörloser. In: Das Zeichen. Vierteljahresschrift zum Thema Gebärdensprache u. Kommunikation Gehörloser. 12 4 (1990) - S. 180-190
Wudtke, Hubert: Schriftspracherwerb: Schreibentwicklungen gehörloser Kinder (Teil I-II). In: Das Zeichen. 24 (1993) - S. 212-223, 25, (1993) - S. 332-341, 26 (1993) - S. 462-470