07.042
MA (b) Gebärdensprachlinguistik / Seminar Ib
Dipl. (g) Gebärdensprachlinguistik / Seminar Ib
Jörg Keller
Mundbilder oder was machen lautsprachliche Elemente in der Gebärdensprache?
Institut für Deutsche Gebärdensprache (Binderstr. 34, Raum 3)
4std., Mi 11-14 + 1 Std. AG
Inhalt der Veranstaltung:
Die Deutsche Gebärdensprache unterscheidet sich von anderen Gebärdensprachen auch durch die stärkere Verwendung von Mundbildern. Dies gab in der Vergangenheit schon mehrfach Anlaß zu sprachwissenschaftlichen Untersuchungen und kontroversen Diskussionen. Erst im vergangenen Jahr entfachte sich erneut eine längere Auseinandersetzung um dieses Thema (vgl. die letztjährigen Ausgaben von Das Zeichen). In jüngster Zeit fand schließlich eine internationale Tagung zu Mundbildern und Mundgestik statt. Im Seminar werden wir versuchen, das Thema umfassend und bis zum aktuellen Stand der Forschung aufzuarbeiten. Dabei können ggf. eigene, empirisch erhobene Daten eingebracht und gemeinsam analysiert werden.Ansonsten werden Referate über Texte (auch englische) vorgetragen, in denen u.a. die folgenden Fragen diskutiert werden:
Was unterscheidet Mundbilder von Mundgestik? Wie kommen Mundbilder in eine Sprache, deren primären Ausdrucksmodalitäten die manuelle Gebärde und die Gesichtsmimik sind? Inwiefern und weshalb unterscheiden sich verschiedene Gebärdensprache hinsichtlich dieses Phänomens? Welche unterschiedlichen Erklärungsversuche gibt es hierfür in der gebärdensprachlinguistischen Forschung? Wie weit ist die empirische Erforschung von Mundbildern und Mundgestik in der DGS? Wie läßt sich das Vorhandensein von (scheinbar) lautsprachlichen Ausdrucksmitteln in einer Gebärdensprache erklären? Stimmen die lautsprachlichen Elemente in Gebärdensprachen mit denen der gesprochenen Sprachen überein, oder sind sie vielleicht ganz anderer, z.B. kinemischer Natur? Wie sind Mundbilder mental repräsentiert? Welchen Anteil könnten die dominierende lautsprachliche Umgebung, soziolinguistische, gesellschaftliche, sprachpolitische oder bildungspolitische Faktoren daran haben? Und inwiefern könnte die Verbreitung und Verwendung von Mundbildern auf sprachsystematische, historische oder lexikalische Faktoren zurückzuführen sein? Oder sind es gar die Dolmetscher, die einen entscheidenden Einfluß ausüben?
Ablauf der Veranstaltung:
In der ersten Sitzung werden die Referatsthemen besprochen und die Referate verteilt.
Das Seminar läuft ansonsten zweigeteilt ab:
- Zwischen 11.00 und 12.30 Uhr finden die Referate statt; daran schließen
- zwischen 12.30 und 14.00 Uhr ein Tutorium oder eine Kleingruppenarbeit mit Aufbereitung des Rahmenthemas oder eine weitergehende Diskussion an.
Teilnahmevoraussetzung:
Erfolgreiche Teilnahme an einem Seminar Ia-Gebärdensprachlinguistik sowie Bereitschaft, ggf. auch englische Texte zu lesen.
Scheinvergabe:
Regelmäßige Teilnahme am Seminar und Referat mit schriftlicher Ausarbeitung, das mindestens mit "ausreichend" beurteilt wird.
Sprechstunde: Mi 10-11, R 226