• 07.052

    MA (c) Gebärdensprachgemeinschaften / Seminar II
    Dipl. (e) Gebärdensprachgemeinschaften / Seminar II

    Renate Fischer

    Diderots "Brief über die Taubstummen" (1751)
    und die Frage des Sprachursprungs

    Institut für Deutsche Gebärdensprache (Binderstraße 34) Raum 204
    3std., Do 14-17

    Zu Seminarthema und Ablauf:
    Diderots "Brief über die Taubstummen" von 1751 wurde verfaßt, bevor Abbé de l'Epée seinen Unterricht in Paris begann. Es ist eine Arbeit, in der Diderot ­p; trotz des verheißungsvollen Titels ­p; "Taubstumme" nicht zum Hauptthema macht, sondern sie zusammen mit einer ganzen Fülle anderer Themen abhandelt, z.B. dem Sprachursprung, der Wortstellung, Gesten im Theater und andernorts, dem Sublimen, den Schönen Künsten ... Diderot sagte von sich selbst, er erschaffe lieber Wolken, statt sie zu vertreiben ­p; dies gibt einen Vorgeschmack auf die Schwierigkeit, diesen Text zu verstehen. Da der "Brief über die Taubstummen" bis heute als wichtiger Text des Zeitalters der Aufklärung gilt (auch hinsichtlich der Art, wie "die" Aufklärung Gehörlose sah), soll in diesem Seminar der Versuch unternommen werden, sich dem Text insbesondere aus einer Deaf History-Perspektive zu nähern. Das heißt vor allem, kritisch zu fragen, zu welchen Zwecken der Verfasser "Taubstumme", den Sprachursprung und "Gesten" thematisiert und welches Bild er dabei von ihnen entwirft.
    Es wird also zunächst darum gehen, den Text (in deutscher Übersetzung) zu lesen und zu verstehen, dabei den Entstehungskontext für die Interpretation zu berücksichtigen: Für den "Brief über die Blinden" (1749) hatte Diderot eine Gefängnisstrafe erhalten; "Taubstumme" und Sprachursprung hatten schon andere vor ihm in Zusammenhang gebracht; was hat das alles mit den Schönen Künsten zu tun?; ...
    Nach dieser Phase einer grundlegenden Verständnissicherung soll der Text insbesondere dahingehend analysiert werden, welches Bild Diderot von den Gehörlosen und von der Gebärdensprache entwirft. Hierbei ist auf historische Quellen zurückzugreifen, die über die "Taubstummen" um 1750 Auskunft geben: was konnte "man" damals über "Taubstumme" wissen, bevor Epée eine Schule gründete und alle Welt dorthin einlud? ...
    Der Frage des Sprachursprungs, die Diderot in Zusammenhang mit den "Taubstummen" thematisiert, ist der letzte Teil des Seminars gewidmet. Sprachursprungstheorien waren im 18. Jahrhundert ein beliebtes Thema, sie sind es bis heute. Im letzten Seminarteil wird es daher darum gehen, Hypothesen über einen "gestischen Sprachursprung" kennenzulernen und aufzuarbeiten.

    Teilnahmevoraussetzung:
    Erfolgreiche Teilnahme an je einem Seminar Ia und Ib im Bereich Geschichte, Kultur und Soziologie der Gebärdensprachgemeinschaften

    Anforderungen für die Scheinvergabe:
    Die erfolgreiche Teilnahme wird bescheinigt für folgende Leistung: regelmäßige aktive Teilnahme am Seminar und Erstellung einer schriftlichen Hausarbeit zu einem Teilthema des Seminars.