07.041
MA (b) Gebärdensprachlinguistik / Seminar Ia
Dipl. (f) Gebärdensprachlinguistik / Seminar Ia
Siegmund Prillwitz
Einführung in das Studium der Deutschen Gebärdensprache (DGS)
Institut für Deutsche Gebärdensprache (Binderstr. 34),Raum 204
5std., Fr 10-13 Plenum, Mi 14-16 2 Std. für Gruppenarbeit 1. Sitzung:
17. April
Zum Seminarthema:
Ziel dieses Einführungskurses ist es, in die Terminologie, Methodik
und die verschiedenen Fachgebiete der modernen Sprachwissenschaft einzuführen.
Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit wird die Systemlinguistik sein.
Sie befaßt sich mit
· den Einzelzeichen einer Sprache (Lexikon) · Strukturen, Funktionen
und Konstruktionsregeln einer Sprache (Grammatik) · der Bedeutung der
sprachlichen Zeichen (Semantik) und ihrer · Verwendung in Sprachhandlungen
(Pragmatik).
Dabei soll in unserem Seminar die Analyse und Verwendung der deutschen Gebärdensprache
im Vordergrund stehen. Zu diesem Zweck wird in der ersten Stunde einer jeden
Plenumssitzung vom Seminarleiter in Form einer kolloquialen Vorlesung
die Grammatik der DGS auf relativ allgemeinverständlichem Niveau dargestellt.
Diese mit Gehörlosen zusammen erarbeitete Darstellung beginnt mit einer
historischen und methodologischen Einleitung zu den besonderen Problemen
der Gebärdensprachlinguistik. Daran anschließend werden einzelne
Aspekte der DGS-Grammatik aus den Bereichen Phonologie, Morphologie und
Syntax vorgestellt und durch Beispiele veranschaulicht. (Körper als
Sprachinstrument, Aufbau der Gebärdenzeichen, grammatikalische Nutzung
des Gebärdenraums, Bewegungs- und Positionsverben, Richtungsverben,
Klassifikatoren und Proform, Satzmimik, Rollenwechsel, Inkorporation, Ikonizität
etc.). Dabei werden soweit wie möglich nach Art einer kontrastiven
Sprachbetrachtung die gemeinsamen Grundlagen wie auch die Unterschiede zwischen
Laut- und Gebärdensprache (Deutsch-DGS) herausgearbeitet und die wichtigsten
linguistischen Fachbegriffe erarbeitet.
Die Erarbeitung der linguistischen Terminologie geschieht zum einen in der
zweiten Hälfte der Plenumssitzung, zum anderen in den von fachkundigen
Tutoren und dem Seminarleiter betreuten Gruppensitzungen. Dort können
die im Plenum behandelten Inhalte vertieft diskutiert und anstehende Fragen
in kleinem Kreis geklärt werden. Im Rahmen dieser Gruppenarbeit werden
auch die Grundlagen und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens in Fortsetzung
des Einführungskurses in die Gehörlosenkultur vom WS 97/98 weiter
geübt (Bibliographieren, Linguistische Wörterbücher, Lektüre
linguistischer Fachtexte etc.).
Im letzten Drittel des Semesters sollen auch gebärdensprachspezifische
Fragen der Angewandten Linguistik thematisiert werden, insbesondere
aus den Bereichen
· Soziolinguistik (Sprachbarrierentheorie, Gruppensprachen, Dialekte,
Mehrsprachigkeit) · Psycholinguistik (Sprachfunktionen, Spracherwerb,
Sprechen und Denken, Neurolinguistik)
· Pädolinguistik (Sprache und Lernen, Zweisprachigkeit Gehörloser
in Erziehung und Bildung)
Anforderungen für die Scheinvergabe:
Voraussetzung für den Erhalt eines Seminarscheins ist die regelmäßige
Teilnahme an den Plenums- und Gruppensitzungen. Darüber hinaus muß
bei der Klausur zur linguistischen Terminologie, die nach Abschluß
des systemlinguistischen Seminarteils geschrieben wird, mindestens ein ausreichendes
Ergebnis erzielt werden. Für einen benoteten Schein ist zusätzlich
die Anfertigung von mindestens zwei Sitzungsprotokollen zum Plenum oder
eine viertelstündige mündliche Prüfung zu zwei im Seminar
behandelten Themen erforderlich.
Teilnahmevoraussetzungen:
Grundkenntnisse der DGS. Alle Sitzungen werden in DGS/Deutsch gedolmetscht.
Vorbereitende Literatur:
H. Gross (1988): Einführung in die Germanistische Linguistik.
München: iudicium
S. Prillwitz u.a. (1985): Skizzen zu einer Grammatik der DGS. Hamburg
F.-H. Wisch (1990): Lautsprache und Gebärdensprache. Die Wende zur
Zweisprachigkeit in Erziehung und Bildung Gehörloser. (Internationale
Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser, Bd.
17). Hamburg: Signum
P. Boyes Braem (1995): Einführung in die Gebärdensprache und
ihre Erforschung. (Intern. Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation
Gehörloser, Bd. 11). Hamburg: Signum