07.048
Gehörlosengemeinschaft
Seminar II
Tomas Vollhaber
Literatur von Gehörlosen - Literatur über Gehörlose (c)
Zentrum für Deutsche Gebärdensprache (Binderstr. 34), Bi 3,
3st., Fr 9-11
Zum Seminarthema:
Mit der Entdeckung der Gehörlosen aus dem Geiste der Aufklärung
begann das Nachdenken und Schreiben über sie, es begann aber auch das
Nachdenken und Schreiben der Gehörlosen über sich selbst. Ähnlich
wie in anderen Emanzipationsbewegungen so hat auch im Zusammenhang mit der
Emanzipation Gehörloser die literarische Gattung der Autobiographie
eine Renaissance erfahren, deren zentrales Anliegen die Frage nach der eigenen
Identität ist. Deshalb kommt autobiographischen Werken in diesem Seminar
auch eine besondere Bedeutung zu.
Ablauf:
Die Arbeit im Seminar wird darin bestehen, Texte von Gehörlosen und
Texte über Gehörlose unterschiedlicher Gattungen aus unterschiedlichen
Epochen vorzustellen und zu analysieren. Dabei soll das vom Autor bzw. der
Autorin jeweils gezeichnete Bild vom Gehörlosen herausgearbeitet und
mit über den Text hinausgehenden Aspekten in Bezug gesetzt werden.
In diesem Zusammenhang wollen wir psychologische (Identität, Selbstbild,
emotionale Situation), soziologische (primäre Sozialisation, Gehörlosengemeinschaft,
Minderheitenstatus, Integration), kommunikativ-sprachliche (Kommunikation,
Gebärdensprache, Lautsprache), zeitgeschichtliche, bildungsspezifische,
kulturelle und literarische Fragestellungen mit einbeziehen. Es sind u.a.
folgende Schwerpunkte vorgesehen:
- Einführende Diskussion über Sekundärliteratur zum Bild
des Gehörlosen
- Autobiographien Gehörloser - eine Tat der Emanzipation:
- Emannuelle Laborit (1995): Der Schrei der Möwe.
- Henry Kisor (1993): Die Geschichte eines Gehörlosen.
- Hannah Merker (1995): Listening. Eine Frau erkundet ihre verstummende
Welt.
- Gehörlose Pädagogen und Gehörlosenpädagogik: Ein
Blick in die Geschichte
- Otto Friedrich Kruse (1877): Bilder aus dem Leben eines Taubstummen.
Eine Autobiographie.
- ders. (1832): Der Taubstumme im uncultivierten Zustande, nebst Blicken
in das Leben merkwürdiger Taubst.
- ders. (1853): Über den Werth der Selbsterkenntnis.
- Gehörlose aus der Sicht ihrer hörenden Kinder
- Hannah Green (1975): Mit diesem Zeichen.
- Ruth Sidransky (1992): Wenn ihr mich doch hören könntet.
Kind sein in einer stummen Welt.
- Maria Wallisfurth (1987): Sie hat es mir erzählt.
- Zum Werk einer gehörlosen Autorin: Ruth Schaumann
- Ruth Schaumann (1968): Das Arsenal (autobiographisch)
- diverse Gedichtsbände und Romane.
- Die stumme Herzogin und der philosophische Diskurs
- Dacia Maraini (1991): Die stumme Herzogin.
- "Wilde"
- Harlan Lane (1985): Das wilde Kind von Aveyron.
- Susan Schaller (1992): Ein Leben ohne Worte.
- Zur Rezeptionsgeschichte und Verfilmung einzelner Romane
Voraussetzungen für die Vergabe eines Scheins ist die regelmäßige
Teilnahme an den Plenumssitzungen sowie die Übernahme und schriftliche
Ausarbeitung eines Referats.
Eine Vorbesprechung für das Seminar findet am Donnerstag, den
06.02.1997 um 10.00 c.t. Uhr in Raum 222 • Binderstr. 34 statt.
Teilnahmevoraussetzung oder -beschränkung:
Scheinvergabe:
Voraussetzungen für die Vergabe eines Scheins ist die regelmäßige
Teilnahme am Seminar, sowie ein gehaltenes und schriftlich formuliertes
Referat.
Evtl. Empfehlung von vorbereitender Lektüre:
- Berthier, Ferdinand (1840/1989): Die Taubstummen vor und seit Abbé
de l'Epée; Teil 1 in Das Zeichen 7.1989, 14-22; Teil 2 in Das Zeichen
8.1989, 9-12; Teil 3 in Das Zeichen 9.1989, 10-13. Hamburg.
- Fischer, Renate (1988): Ist die Gebärdensprache der Gehörlosen
eine Sprache? In: Das Zeichen 6.1988,6-14. Hamburg.
- Foucault, Michel (1988): Schriften zur Literatur. Frankfurt
- Fischer; Lane, Harlan (1990): Mit der Seele hören. München:
DTV (11314).