07.084

MA (b) Kulturwissenschaft / Seminar Ib
Dipl. (e) Kulturwissenschaft / Seminar Ib

Hans-Uwe Feige

Die Anfänge der ersten Taubstummenvereine in Europa:
Gründe, Wirkungen, Tendenzen (1835-1880)

2std., 9./10.4.+11./12.06.2005, 9-15 Uhr, Bi 34 Raum 3



Inhalt: Gehörlosengemeinschaften entstanden im Laufe der Geschichte immer wieder in verschiedenen Großstädten. Ihre Existenz bezeugen Schriften u.a. von Plato (427-347 v.Chr.) und Aurelius Augustinus von Hippo Regius (354-430). Dabei handelte es sich um lose Vereinigungen, die kamen und gingen, ohne je eine feste Struktur- etwa vergleichbar den verschiedenen Orden der katholischen Kirche- gefunden zu haben. Erst mit der gegen Ende der Frühen Neuzeit einsetzende Entfaltung des Vereinswesens in Europa und der Entstehung der ersten halbstaatlich organisierten Taubstummenanstalten entstanden die Rahmenbedingungen für die Entstehung von Organisationen, mit denen Gehörlose ihre politischen, kulturellen und sozialen Belange nachhaltig vertreten konnten. Die Initialzündungen für die ersten Vereinsgründungen Gehörloser in Europa differierten stark: in Paris etwa (weltweit erster Taubstummenverein, ggr. 1838) gaben die von Ferdinand Berthier (1803-1866) veranstalteten Bankette zugunsten notleidender Taubstummer den Ausschlag, in Leipzig waren es die „Sonntagsgottesdienste für erwachsene Taubstumme“, die Carl Gottlob Reich (1782-1852) 1818 ins Leben gerufen hatte.

Im Seminar soll die organisatorische Entwicklung der ersten Taubstummenvereine - unter besonderer Berücksichtigung von Berlin (1848) und Leipzig (1848/1864)- ebenso erörtert werden wie die Frage, inwieweit diese den Prozeß des Selbstbewusst-Werdens der Gehörlosen, die Entfaltung ihrer Sprache und Kreativität gefördert haben sowie last but not least zur Durchsetzung ihrer sozialen und politischen Interessen beitragen konnten.

Scheinvergabe: Aktive Teilnahme an den Sitzungen sowie für die Thematik relevante Kurzreferate bzw. Diskussionsgrundlagen