07.103
MA (c) Gebärdensprachgemeinschaften / Seminar Ib
Dipl. (e) Gebärdensprachgemeinschaften / Seminar Ib
Hans-Uwe Feige
Gehörlose Tagebuchschreiber im 18. und 19. Jahrhundert
Institut für Deutsche Gebärdensprache (Binderstraße
34, Raum 3)
2std. (Blockseminar), 6./7. April + 1./2. Juni, jew. 9-15 Uhr
Inhalt:
Zu den wenigen erhaltengebliebenen schriftlichen Überlieferungen
von Gehörlosen, die bis Mitte des 19.Jahrhunderts entstanden waren,
gehören Tagebuchnotizen, die zumeist von Schülern der damals
schon existierenden Taubstummenanstalten verfasst wurden. Die Abfassung
von damals so genannten Tagesberichten,gehörte vielerorts
zum Deutschunterricht. An manchen Schulen hatte jeder Schüler eigene
Berichte abzufassen, die vom Lehrer korrigiert wurden. Anderorts war für
jeden Tag ein anderer Schüler zuständig; seinen Tagesbericht
hatten alle anderen abzuschreiben. Diese Tagebuchnotizen bezweckten in
erster Linie, dass die Schüler Sicherheit in Rechtschreibung, Grammatik
und Schönschreiben erwarben. Für uns sind sie unter einem anderen
Aspekt interessant. Wir entnehmen den Tagesberichten, wie die gehörlosen
Schüler damals ihre Welt-Lehrer, Schule, Handwerker, Stadttreiben,
Natur, besondere Vorkommnisse sahen, wie
sie dachten, was für Wünsche und Hoffnungen sie hegten, worüber
sie sich freuten und ärgerten. Der Bogen spannt sich von den 1793
in Leipzig entstandenen Aufzeichnungen Johann Adam Ernst Backmanns, Johann
Christoph Hofmanns und Christian Friedrich Irmschers über das Tagebuch
1819 Carl Wilhelm Teuschers, des nachmaligen gehörlosen Lehrers, das
Tagebuch der braven Maria Rust von Walchwil (1842/43) bis zum Tagebuch
des Moritz Kretschmer (Dresden 1845/1846).
Im Rahmen des Seminars werden ausgewählte Tagebuchtexte im Hinblick
auf ihre Aussagekraft hinsichtlich des alltäglichen und schulischen
Lebens der gehörlosen Schüler analysiert. Ein Vergleich zwischen
der Schulbildung Gehörloser und der Ausbildung in den zeitgenössischen
Elementar- bzw. Sekundarschulen soll die historische Einordnung der Aussagen
der Tagebuchschreiber erleichtern. Weiterhin erfolgt eine Einführung
in die historische Handschriftenkunde.
Die Scheinvergabe setzt eine aktive Teilnahme an den Sitzungen
sowie die Erarbeitung eines Kurzreferates- das schriftlich vorzuliegen
hat- zu einem das Seminarthema tangierenden Problemkreis voraus.