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MA (b) Gebärdensprachlinguistik / Seminar Ia
Dipl. (f) Gebärdensprachlinguistik / Seminar Ia

Siegmund Prillwitz

Einführung in die Gebärdensprachlinguistik

Hörsaal Phil F
5std. (3 Std. Plenum + 2 Std. AG),  Di 15-18 (1. Veranstaltung: 09.04.02)

Ziel dieses Einführungskurses ist es, in die Terminologie, Methodik und die verschiedenen Fachgebiete der modernen Sprachwissenschaft einzuführen. Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit wird die Systemlinguistik sein. Sie befaßt sich mit

• den Einzelzeichen einer Sprache (Lexikon)
• Strukturen, Funktionen und Konstruktionsregeln einer Sprache (Grammatik)
• der Bedeutung der sprachlichen Zeichen (Semantik) und ihrer
• Verwendung in Sprachhandlungen (Pragmatik).

Dabei soll in unserem Seminar die Analyse und Verwendung der deutschen Gebärdensprache im Vordergrund stehen. Zu diesem Zweck wird in der ersten Stunde einer jeden Plenumssitzung vom Seminarleiter in Form einer kolloquialen Vorlesung die Grammatik der DGS auf relativ allgemeinverständlichem Niveau dargestellt. Diese mit Gehörlosen zusammen erarbeitete Darstellung beginnt mit einer historischen und methodologischen Einleitung zu den besonderen Problemen der Gebärdensprachlinguistik. Daran anschließend werden einzelne Aspekte der DGS-Grammatik aus den Bereichen Phonologie, Morphologie und Syntax vorgestellt und durch Beispiele veranschaulicht. (Körper als Sprachinstrument, Aufbau der Gebärdenzeichen, grammatikalische Nutzung des Gebärdenraums, Bewegungs- und Positionsverben, Richtungsverben, Klassifikatoren und Proform, Satzmimik, Rollenwechsel, Inkorporation, Ikonizität etc.). Dabei werden soweit wie möglich nach Art einer kontrastiven Sprachbetrachtung die gemeinsame Grundlagen wie auch die Unterschiede zwischen Laut- und Gebärdensprache (Deutsch-DGS) herausgearbeitet und die wichtigsten linguistischen Fachbegriffe erarbeitet.

Die Erarbeitung der linguistischen Terminologie geschieht zum einen in der zweiten Hälfte der Plenumssitzung, zum anderen in den von fachkundigen Tutoren betreuten Gruppensitzungen. Dort können die im Plenum behandelten Inhalte vertieft diskutiert und anstehende Fragen in kleinem Kreis geklärt werden. Im Rahmen dieser Gruppenarbeit werden auch die Grundlagen und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens weiter geübt (Bibliographieren, Linguistische Wörterbücher, Lektüre linguistischer Fachtexte etc.).

Im letzten Drittel des Semesters sollen auch gebärdensprachspezifische Fragen der Angewandten Linguistik thematisiert werden, insbesondere aus den Bereichen

• Soziolinguistik (Sprachbarrierentheorie, Gruppensprachen, Dialekte, Mehrsprachigkeit)
• Psycholinguistik (Sprachfunktionen, Spracherwerb, Sprechen und Denken, Neurolinguistik)
• Pädolinguistik (Sprache und Lernen, Zweisprachigkeit Gehörloser in Erziehung und Bildg)

Leistungsnachweis: Voraussetzung für den Erhalt eines Seminarscheins ist die regelmäßige Teilnahme an den Plenums- und Gruppensitzungen. Darüber hinaus muß bei der Klausur zur linguistischen Terminologie, die nach Abschluß des systemlinguistischen Seminarteils geschrieben wird, mindestens ein ausreichendes Ergebnis erzielt werden. Für einen benoteten Schein ist zusätzlich die Anfertigung von mindestens zwei Sitzungsprotokollen zum Plenum oder eine viertelstündige mündliche Prüfung zu zwei im Seminar behandelten Themen erforderlich.

Voraussetzungen: Grundkenntnisse der DGS.
Alle Sitzungen werden in DGS/Deutsch gedolmetscht.

Vorbereitende Literatur:
H. Gross (1988): Einführung in die Germanistische Linguistik. München: iudicium
S. Prillwitz u.a. (1985): Skizzen zu einer Grammatik der DGS. Hamburg
F.-H. Wisch (1990): Lautsprache und Gebärdensprache. Die Wende zur Zweisprachigkeit in Erziehung und Beildung Gehörloser. (Internationale Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser, Bd. 17). Hamburg: Signum
P. Boyes Braem (1995): Einführung in die Gebärdensprache und ihre Erforschung. (Intern. Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser, Bd. 11). Hamburg: Signum