07.053
MA (c) Gebärdensprachgemeinschaften / Seminar II
Dipl. (c) Gebärdensprachgemeinschaften / Seminar II
Tomas Vollhaber, Simon Kollien
Gebärdensprachpoesie: Das Projekt "Blue" nach Derek Jarman
Institut für Deutsche Gebärdensprache (Rothenbaumchaussee 45, Weißer Saal))
3std. Di 16-19, Beginn: 11.04.00, Vorbesprechung s.u.
Zum Seminarthema:
Das Seminar wird sich auf mehreren, theoretischen wie praktischen, Ebenen mit dem Thema »Gebärdensprachpoesie« beschäftigen:
1.Was wird heute in der Gebärdensprachgemeinschaft als Gebärdensprachpoesie begriffen?
2. Wie inszeniert sich Gebärdensprachpoesie im Gegensatz zu alltäglicher Gebärdensprache?
3. Übersetzung und Inszenierung eines deutschen Textes in Gebärdensprachpoesie.
Der dritte Teil wird im Seminar-Zeitplan den größten Umfang einnehmen. Gemeinsam mit Susanne Genc und Marco Lipski (Visuelles Theater HH) ist eine Gebärdensprachpoesie-Produktion auf der Grundlage des letzten Films von Derek Jarman »Blue« geplant, die am Ende des Semester öffentlich aufgeführt werden soll.
Der Film stellt insofern eine für Gebärdensprachinteressierte spannende Herausforderung dar, da er einem sehr eigenwilligen ästhetischen Konzept folgt. Derek Jarman (1942-1994), der 17 Kinofilme und etliche Kurzfilme und Videoclips produziert hat, schuf sowohl hochartifizielle experimentelle Filme, deren bekannteste »The Last of England« (1987) und »The Garden« (1990) sind, als auch>echte< Kinoerfolge, wie bspw. »Caravaggio« (1984). Kurz vor seinem Tod produzierte er den Film »Blue«, der seine Erblindung Jarman litt unter dem Cytomegalie-Virus, einer AIDS typischen Erkrankung ästhetisch reflektiert und ihn zurück zu seinen künstlerischen Wurzeln, der Malerei, brachte. In diesem Film verzichtet Jarman auf jegliche Handlung und Darstellung, die Betrachter sind 75 Minuten lang mit einer blauen Leinwand konfrontiert, ein monochromes Erleben, wie wir es aus den Bildern der blauen Phase Yves Kleins kennen. Aus dem Off hört man vier Stimmen, die Texte unterschiedlicher Genre sprechen, sowohl poetische, als auch tagebuchartige Aufzeichnungen, die unmittelbar vom Leben des kranken und hinfälligen Körpers Jarmans berichten. Hin und wieder hört man Einschübe, die Ereignisse des sich zur gleichen Zeit abspielenden Bürgerkriegs in Jugoslawien reflektieren.
Dieser Film ist in der Form, wie er sich im Moment präsentiert, für Gehörlose unzugänglich. Eine Untertitelung des Films würde dem monochromen Charakter und dem ästhetischen Konzept des Films zuwiderlaufen. Seine offene Form, die vom Zusschauer fordert, sich ganz dem Film und den Bildern, die die Texte evozieren, hinzugeben, bedeuten eine große Herausforderung für eine gebärdensprachliche Interpretation, und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sowohl narrative als auch poetische Elemente der Gebärdensprache zu extrapolieren, ohne jedoch das Konzept Jarmans zu konterkarieren.
Diese Aufgabe soll von den Studenten und Dozenten in Zusammenarbeit mit Susanne Genc und Marco Lipski geleistet werden. Zu diesem Seminar sind auch Studierende des Studiengangs Theater, Regie, Film der Hochschule für bildende Künste und der Universität Hamburg zugelassen. Es kann also ein ausgesprochen spannendes und vielversprechende Projekt werden.
Eingeladen zu diesem Seminar sind alle Studierenden der Hauptstudiumsphase. Das Seminar wird von zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen begleitet. Da sich das Seminar mit translationswissenschaftlich relevanten Fragestellungen aus dem kulturellen Bereich beschäftigt, wird es auch im Schwerpunkt »Translationswissenschaft« des Diplomstudiengangs Gebärdensprachdolmetschen angeboten.
Die Teilnahme am Seminar setzt eine Teilnahme an der Abschlussaufführung nicht zwingend voraus.
Vorbesprechung am Freitag, den 4.2.2000, um 14 Uhr im Weißen Saal, Rothenbaumchaussee 45.