07.042

MA (a) Gebärdensprachlinguistik / Oberseminar
Dipl.(f) Gebärdensprachlinguistik / Oberseminar

Renate Fischer

Zum gebärdensprachlichen "Bild"




Gerade weil Sie wissen, was ein Pferd und was ein Reiter ist, können Sie verstehen, wieso der Reiter allein kein Reiter ist. (...) Da müssen Sie dem Kind nicht erklären, was ein Pferrd und was ein Reiter ist, sondern ihm das Bild vor Augen bringen und sagen: Na, siehst du, wenn der Reiter allein ist, dann ist er kein Reiter. Das ist aber nicht in der Sprache enthalten. Das ist in dem Bild enthalten.
(Rudolf Arnheim)

Wissenschaftsgeschichtlich hoch interessant ist die Tatsache, dass die gebärdensprachliche Bildhaftigkeit mehr und mehr ins Zentrum der Beschreibungsversuche rückt. Der vermeintliche Makel könnte zu einem Gütesiegel werden, so scheint es, und so stellt das gebärdensprachliche Bild eine Herausforderung dar – in wissenschaftssoziologischer Hinsicht, sprachtheoretisch, für das Selbstverständnis der neuen Disziplin Gebärdensprachlinguistik und anderes mehr.
Dabei ist (wie könnte es anders sein ...) gebärdensprachliche Bildhaftigkeit zum Objekt einer Fülle unterschiedlichster Ansätze geworden, deren Grundideen speziell für Gebärdensprachen entwickelt wurden oder aber zum Beispiel in kognitionslinguistischen, sprachphilosophischen oder bildtheoretischen Ansätzen vorlagen. Einige von ihnen möchte ich mit Ihnen im Laufe dieses Seminars an ausgewählten Primärtexten erkunden.
Die Veranstaltung eignet sich für fortgeschrittene Studierende, die sich vom Gestaltpsychologen Rudolf Arnheim angesprochen fühlen:

Ich bin auch der Meinung, daß, wenn man etwas taugt, dann endet man in der Philosophie, wenig- stens in unseren Fächern. Wenn einer bis zum Ende an den kleinen Einzelproblemen herumknabbert, ist etwas nicht in Ordnung. Das mag ein Vorurteil von mir sein.